Akutes Skrotum

Akute Schwellung und/oder Schmerzen im Hodensack
Akut einsetzende, starke Schmerzen im Bereich des Hodens, teils mit Ausstrahlung in die Leiste, werden als "Akutes Skrotum" bezeichnet. Manchmal kann begleitend eine Schwellung und/oder eine Rötung auftreten.
Was ist zu tun?
Es sollte dringlich die Vorstellung beim Urologen erfolgen, der meist anhand der Krankengeschichte, der körperlichen Untersuchung, Urinanalyse und dem Ultraschall zuverlässig zwischen den häufigsten Differentialdiagnosen unterscheiden kann.
Vor allem bei der Hodentorsion, muss sofort (möglichst innerhalb von 6 Stunden) gehandelt werden, da es sonst zum Verlust des Hodens kommen kann.
Mögliche Ursachen
- eine Verdrehung des Hodens um den Gefäßstiel (sog. Hodentorsion)
- die Nebenhodenentzündung (Epididymitis)
- ein Hodentumor
- eine traumatische Verletzung von außen (Hodentrauma)
- eine Verdrehung von Nebenhodenanhangsgebilden (sog. Hydatidentorsion)
Bei der Hodentorsion…
…wird durch Verdrehung des Hodens um den Gefäßstiel die Blutzirkulation von Hoden und Nebenhoden akut unterbrochen. Nach etwa 6 Stunden treten irreversible Schäden auf, die häufig zum Verlust des Hodens führen können. Bei Neugeborenen oder Säuglingen ist dieser Zeitraum noch deutlich kürzer.
Ursache kann das Fehlen eines den Hoden im Hodensack fixierenden Bändchens sein. Manche Bewegungen können dann zu einer Verdrehung des Hodens um seinen Gefäßstiel führen. Gehäuft tritt diese Problematik im Säuglings- oder Kindesalter auf. Sie kann jedoch auch Jugendliche und Erwachsene betreffen.
Gelegentlich lässt sich durch einen erfahrenen Urologen der Hoden zeitweise wieder in seine normale Position zurückdrehen. Meist oder bei unklarem Befund muss der Hoden durch einen kleinen Schnitt am Hodensack operativ freigelegt, in seine Normalposition zurückgedreht und mit einer Naht fixiert (sog. Orchidopexie) werden. Dieser kleine operative Eingriff dauert nur wenige Minuten.
Sollte der Hoden jedoch über einen längeren Zeitraum verdreht gewesen sein (länger als 6 Stunden), führt dies zum Absterben (Nekrose) des Hodens. In diesem Fall muss das betroffene Organ entfernt werden.
Im zeitlichen Intervall sollte dann in der Regel der nicht betroffene Hoden der Gegenseite operativ fixiert werden (prophylaktische Orchidopexie).
Entzündung des Nebenhodens (Epididymitis)
Eine Entzündung des Nebenhodens entsteht meist auf dem Boden einer Blasen- oder Prostataentzündung. Begünstigend können Harnröhrenengen, Vergrößerung der Prostata oder auch Blasenentleerungsstörungen sein. Ferner kann auch eine Tuberkulose mit einer Nebenhodenbeteiligung einhergehen.
Bei Risikopatienten (z. B. Diabetikern oder immungeschwächte Patienten) kann eine unbehandelte Nebenhodenentzündung zu einem lebensbedrohlichen Krankheitsbild, dem so genannten Fournier'schen Gangrän, führen. Hierbei breitet sich die Entzündung sehr schnell im Unterhautfettgewebe aus. In diesem Fall ist eine kombiniert chirurgische sowie in der Regel intensivmedizinische Versorgung des Patienten vonnöten.
Symptome
- zunehmende Schmerzen
- Rötung
- Übererwärmung
- Schwellung des Nebenhodens
- Gelegentlich in Kombination mit Fieber und Schmerzen beim Wasserlassen
Therapie
- Lokale Maßnahmen (Kühlung, Hochlagerung des Hodens) und Bettruhe
- Gabe von Medikamenten gegen Entzündung, Schwellung und Schmerz (sog. Antibiotika, Antiphlogistika, Analgetika)
- Eine vorübergehende Ableitung des Urins über einen Katheter ist häufig sinnvoll
- Nur bei sehr ausgeprägt entzündlich veränderter Situation ist eine operative Versorgung erforderlich
Hodentumor
Ein Hodentumor verursacht in der Regel im Vergleich zur Hodentorsion oder Nebenhodenentzündung keine akut schmerzhaften Beschwerden, sondern lässt sich meist als Verhärtung und Schwellung am Hoden tasten. Gelegentlich tritt ein gewisses Schweregefühl des Hodens sowie ein Ziehen in der Leiste auf.
Sollten Sie bei sich eine neu aufgetretene Verhärtung am Hoden ertastet haben, ist eine zeitnahe Vorstellung beim Urologen zur weiteren Diagnostik dringend erforderlich. Die meisten Hodentumore sind heutzutage sehr gut behandelbar.
Selbst die Tumorstadien mit Tumorbefall im hinteren Bauchraum, in der Lunge oder dem Gehirn, welche zu einer akuten Verschlechterung des Allgemeinzustandes führen können, lassen sich in spezialisierten Zentren therapieren.
Je früher jedoch ein Hodentumor festgestellt und behandelt wird, desto höher sind die Erfolgsaussichten und Heilungschancen nach Einleitung einer entsprechenden Therapie. Die meisten Hodentumore können heute kurativ, d.h. heilend, behandelt werden.
Hodenverletzung (Hodentrauma)
Eine äußere Gewalteinwirkung auf das Genitale (zum Beispiel Fußtritt beim Fußball) kann zur einer Blutung in das Hodengewebe oder auch zum Zerreißen der Hodenhüllen führen. Bei leichteren Verletzungen sind in der Regel konservative Maßnahmen (Kühlung, Hochlagerung, antiphlogistische Medikation) ausreichend. Nur bei größeren Hämatomen (Blutergüssen) oder Beteiligung der Hodenhüllen ist eine operative Versorgung notwendig.